Bespielbare Welt - Begreifbare Welt

Teil 1: Praxisteil mit Workshops und Spielfest vom 11. bis 15. September 2014 in Bonn
Teil 2: Theorieteil/Fachtagung 16. bis 18. November 2014 in der Akademie Remscheid

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Die pädagogische Pflicht zum Spiel

Grundlagen und Rahmenbedingungen, die freies Spiel ermöglichen.
Dr.Christiane Richard-Elsner, ABA Fachverband, Dortmund.

Spiel, viel körperliche Bewegung und Neugier sind Teil der biologischen Ausstattung besonders von Kindern, wie Evolutionsbiologen und Neurowissenschaftler feststellten.
Deshalb haben Kinder haben ein Recht auf Spiel. Dies ist im Art. 31 der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt. 2013 erschien dazu ein erläuternder Kommentar von der UN-Kinderrechtskommission. Darin wird festgestellt, dass das Recht auf selbstbestimmtes Spiel nicht ausreichend umgesetzt ist.

In modernen Gesellschaften, die nicht nur die westlichen Länder, sondern auch die globale Mittelschicht umfasst, sinkt der Anteil, den selbstbestimmtes Spiel und damit verbunden die selbständige Aneignung von Räumen und sozialen Umfeldern am Alltag der Kinder hat, ständig.
Konnten Kinder bis vor einigen Jahrzehnten noch frei nach der Schule in ihrer Wohnumgebung spielen, so ist jetzt von einer verinselten, verhäuslichten, pädagogisierten und kommerzialisierten Kindheit die Rede.

Kinder können ihre Ziele, Orte, an denen sie lernen, spielen, einkaufen oder Freunde treffen immer weniger aus eigener Kraft erreichen. Haben sie noch vor einigen Jahrzehnten, je älter sie wurden, einen immer größeren Teil ihrer Wohnumgebung erkundet und zum Spielen genutzt, so müssen nun Termine abgestimmt werden. Ihre Aktivitäten verlagern sich immer mehr in geschlossene Räume, in mit Spielzeug gefüllte Kinderzimmer, Ganztagsschulen und -kitas, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen. Damit verbunden ist ein Rückgang an körperlicher Bewegung. Aktivitäten der Kinder werden immer mehr von Erwachsenen initiiert und kontrolliert. Selbst kreative Prozesse werden in Kursen gesteuert. Konsum ist selbstverständlich oder Statussymbol und regt nicht zur selbstbestimmten Aneignung oder Gestaltung von Dingen und Prozessen an.

Diese Entwicklung ist unter anderem auf eine veränderte Raumnutzung in der Industriegesellschaft zurückzuführen. Funktionen wie Wohnen, Arbeiten, Lernen und Freizeit finden an unterschiedlichen spezialisierten Orten statt. Spezialisierte Angebote für bestimmte Zielgruppen verhindern eine Mischung von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Der Außenraum ist so im besten Fall langweilig für die Entdeckungen der Kinder, meist aber gefährlich durch den motorisierten Straßenverkehr und durch eine zunehmende Anonymität in der Nachbarschaft. Im Extremfall ist er verriegelt, das Betreten durch Kinder ist verboten.

Viele Studien belegen, dass viele Kinder sich zu wenig körperlich bewegen und sich dies negativ auf ihre körperliche, aber auch seelische und kognitive Entwicklung auswirkt.

Freies, pädagogisch unreglementiertes Spiel vermittelt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit. Eigene Fähigkeiten können realistisch eingeschätzt werden und für die eigenen Vorhaben wirkungsvoll eingesetzt werden. Eigenständige Naturerfahrung vermittelt ein realistisches, auf Sympathie beruhendes Bild von der natürlichen Mitwelt. Konsum und Statussymbole werden unwichtiger. Eigenständige Erfahrungen mit anderen Menschen, Kindern und Erwachsenen, im Spiel und im Alltag vermitteln soziale Kompetenzen, Kompromissbereitschaft und Verhandlungsgeschick.

Der Kommentar zur UN-Kinderrechtskonvention Art. 31 fordert deshalb, Kindern Freiräume und freie Zeit zur Verfügung zu stellen, damit sie ihrem biologisch angelegten Spiel- und Neugierverhalten nachgehen können.

Beispiele zur Umsetzung des Rechts auf Spiel sind die Spielleitplanung, mit der Spielflächen in der Wohnumgebung und sichere Wege für Kinder ermöglicht werden können, Naturerfahrungsräume, die ein Ersatz für nicht mehr vorhandene Brachflächen sind oder Maßnahmen, um das Sicherheitsgefühl in der Nachbarschaft zu erhöhen.

Methoden
Vortrag, Diskussion, Bewegung.

Dr. Christiane Richard-Elsner, Fachreferentin für freies Spielen beim ABA Fachverband, Dortmund.

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